Deepwater Horizon – BP – Ölkatastrophe

Deepwater Horizon, so hieß die Ölbohrinsel, auf der es am 20.04.2010 Explosionen kam und die in deren Folge am 22.04.2010 im Meer versank. Seitdem sprudelt munter Öl aus dem Steigrohr, da der BOP, der so genannte Blowout-Preventer, versagt hat. Der Blowout-Preventer besteht aus Stahl und mehreren Ventilen, welche im Falle eines Druckanstieges, zum Beispiel, wenn oben die Bohrinsel als Propfen plötzlich weg ist, automatisch schliessen schliessen sollten. Eigentlich. Dumm nur, wenn man an der falschen Stelle spart.

Der billige Blowout-Preventer hat versagt, das Steigrohr, durch welchen das Öl vom BOP zur Bohrinsel floss, ist abgeknickt und liegt nun auf dem Meeresgrund auf 1.500m Tiefe. Öl tritt derzeit unkontrolliert an der Knickstelle am BOP sowie am Ende des Steigrohrs aus.


(Quelle: bp.com)

Nur mal so zum nachdenken:

Ixtoc I war eine mexikanische Ölquelle von PEMEX, die in der Bucht von Campeche am 3. Juni 1979 einen schweren Unfall hatte und damit die zweitgrößte Ölpest überhaupt verursachte; größer war nur die Ölpest im Golfkrieg von 1991. Über neun Monate lang trat unkontrolliert Rohöl aus, bis das Bohrloch am 23. März 1980 geschlossen werden konnte. (Quelle: Wikipedia)

BP kann man nicht vorwerfen, dass sie sich nicht bemühen, möglichst viele Informationen ins Netz zu stellen. Die offizielle BP-Seite bietet viele Informationen. Besonders gut hat mir der Abschnitt „Response in video“ gefallen.

Doug Suttles steht in diesen Videos Rede und Antwort. Seine Antworten sind ‚hervorragend‘. Er wirkt, als ob er entweder überhaupt nicht mehr schläft, oder als ob er auf irgendwelchen Weichmachern wäre. Er spricht sehr behutsam, etwa wie die Ärzte in einer Entbindungsstation („Es wird alles gut, wichtig ist, dass wir Ruhe bewahren.“).

Suttles behauptet, BP würde alles tun, um die Katastrophe einzudämmen und zu verhindern, dass das Öl an die Küste tritt. Das stimmt auch, denn es werden Chemikalien eingesetzt, die bewirken, dass der sichtbare Ölteppich verschwindet. Tolle Sache, oder? Nur blöd, dass der Ölteppich durch diese Chemikalien eigentlich nur abgesenkt wird, so dass wir ihn nicht mehr sehen können (Quelle: Spiegel.de). Verarsche pur! Was man nicht sieht ist auch nicht da? Und die Erde ist eine Scheibe!

Auf die Frage, die in jedem dieser Videos gestellt worde, wie viel Öl denn nun tatsächlich pro Tag austreten würde, sagte er, sinngemäß:

Wir wissen es nicht, wir können – genau wie Sie – auch nur auf das Wasser gucken und schätzen, wie viel oben ankommt.

Zum Verständnis: BP macht Milliardenumsätze, aber das wissen die nicht? Wtf? Die wissen doch, wie viel die Bohrinsel Deepwater Horizon pro Tag förderte, und mit wieviel Druck das Öl in der Bohrinsel ankam. Nach Adam Ryse kriegt hier ein Viertklässler die Lösung raus. BP kennt die Zahlen, und BP weiß, würde BP die Zahlen öffentlich machen, würde BP sofort das Ansehen vollends verlieren (milde ausgedrückt).

Zu der Katastrophe an der Wasseroberfläche und an den Küsten sowie deren Folgen lasse ich mich nicht aus. Jeder kennt die Bilder von tausenden verendeten Tieren.

Kommen wir zurück zu dem eingangs erwähnten Blowout-Preventers. Hierzu hat Spiegel.de in einem am 23.05.2010 online erschienenen Artikel ein paar recht interessante Punkte angeführt:

Einem Pressebericht zufolge hat BP wissentlich in Kauf genommen, dass die Sicherheit des Bohrlochs im Golf von Mexiko durch den Einsatz eines provisorischen Ventils verringert war. Der Erdölkonzern habe sich dafür entschieden, an einem „vorläufigen“, aber weniger sicheren Ventil festzuhalten, statt ein beständiges Teil einzusetzen, berichtete die Zeitung „Washington Post“ unter Berufung auf einen von einem BP-Verantwortlichen unterschriebenen Brief vom Oktober 2004. Das Ventil sollte eigentlich das Bohrloch im Falle einer Explosion verschließen, um das Auslaufen von Öl zu verhindern.

In dem Brief erklärte Christopher Young von der Plattform-Betreiberfirma Transocean, dass BP mit der Unterschrift akzeptiert habe, dass das provisorische Ventil die Widerstandskraft des Sicherheitssystems „vermindert“ und damit „die Risiken erhöht“ habe. Ein BP-Sprecher sagte der „Washington Post“ hingegen, Transocean sei allein für die Änderungen am Bohrloch verantwortlich.

Am falschen Ende gespart. Selten hatte dieser Satz so viel Wahrheit wie hier.

Ich frage mich – obwohl ich kein Ingenieur bin, warum man bei einem solchen Blowout-Preventer ausschließlich auf Automatismus setzt. Diverse Ventile, die automatisch schliessen sollen, durch Öl- und/oder Gas-Druck, wenn eben der Druck ansteigt. Blöd nur, wenn es in 1.500m Tiefe bereits so kalt ist, dass die Automatik versagt. Ich frage mich ernsthaft, was für Vollidioten solch ein Ding entwickeln, ohne an ein manuell zu bedienendes Ventil zu denken. Egal in was für einer Tiefe, man könnte ein einfaches Ventil, wie es in jedem Heizungskeller vorhanden ist (natürlich größer) mit entsprechender Andock-Vorrichtung als letzten Notnagel einbauen. Passend hierzu baut man einen Tauchroboter, der – sofern die geniale Automatik versagt – runtertaucht, andockt und das Ding zudreht. Warum vergißt man so etwas? Im Weltraum wird seit Jahrzehnten hervorragend angedockt. Und ich behaupte, dass die NASA weniger finanziellen Spielraum hat als BP. Im Verhältnis. Es würde um ein fucking einfaches Ventil gehen und einen passenden Tauchroboter. Thats it! Keine Weltraumtechnik. Des Prinzip eines Ventils, was manuell gesteuert werden kann, hatten selbst die Römer schon. Argh!!!

Abschliessend möchte ich, um die Kernkompetenz von BP, die ganz offensichtlich im reinen Dilletantismus liegt, darzulegen, erneut aus dem Spiegel-Artikel vom 23.05.2010 zitieren. BP wird versuchen, das Loch mit schwerem Schlamm zu schliessen. Aber…

Klappt das Manöver nicht, soll die sprudelnde Ölquelle zum Verstopfen mit Golfbällen und Gummiteilen bombardiert werden.

Wenn Ölbohrinseln so unsicher sind, und es bislang vielleicht nur glücklicher Zufall war, dass Katastrophen nicht häufiger auftraten, und insbesondere die Betreiber keinen Plan B haben und im Zweifel mit Golfbällen spielen wollen, ja dann sollten Ölbohrinseln schnellstens abgestellt werden – und zwar alle.

Falls BP an diesem Vorfall finanziell zu Grunde geht habe ich lediglich Mitleid mit den einfachen Arbeitern von BP, die ihre Jobs verlieren. Jedoch nicht mit der Führung oder den leitenden Technikern – denn die waren eindeutig zu lange auf den Golfplätzen dieser Welt.

Weitere Links zum Thema:

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