Es gibt keine Atomkraft-Experten

Die Berichterstattung ist ermüdend. Ach so viele “Experten” dilettieren derzeit in Fukushima rum, und liefern keinerlei verwertbaren Ergebnisse.

Die Medien gehen dazu noch unverantwortlich mit der Sprache um und bezeichnen die verantwortlichen Leute als “Atomkraft-Experten”.

Nach meiner Definition ist ein Experte eine Person, der auf einem gewissen Gebiet ein enormes Wissen angehäuft hat, und mit diesem Wissen auch für unbekannte Probleme seines Fachgebietes zeitnah vertretbare Lösungen finden kann.

Die Kernschmelze ist als Super-GAU seit Anbeginn der Atomkraft-Ära ein bekannter Fall, und seither gibt es keine Prozedur dafür.

Wenn es schief geht sagen alle leise “fuck” und handeln wie Kleinkinder im Sandkasten. Kippen wir doch Wasser und Sand drauf. Oder wie in Tschernobyl: Blei und Beton. Experten…

Zitieren wir zur Untermauerung meiner Theorie Wikipedia:

Glaser (1996) unterscheidet drei Stadien auf dem Weg vom Laien zum Experten:

  1. Unterstützung von Außen (external support): Eltern, Lehrer, Trainer usw. stellen Lernumgebung, didaktische Methoden und Inhalte.
  2. Übergangsphase (transitional stage): Äußere Hilfe wird immer seltener benötigt; die Kriterien für Expertentum werden entdeckt.
  3. Selbstständig organisiertes Lernen (self-regulatory stage): Der angehende Experte ist auf keine äußere Hilfe mehr angewiesen.

Ebenfalls drei Stufen unterscheiden Schumacher und Czerwinski (1992):

  1. "Vortheoretische Stufe": Beim ersten Kontakt mit einem neuen Stoffgebiet versucht man, anhand eigener oberflächlicher Arbeitsmethodik und der vordergründigen Eigenschaften des Themas im Gedächtnis Vergleichbares zu finden, um die neuen Informationen sinnvoll einordnen zu können.
  2. "Empirische Stufe": Bei der Auseinandersetzung mit dem neuen Stoff wird versucht, durch Analogiebildung, Induktion, Abstraktion usw. ein erstes Verständnis für (tiefere) strukturelle Eigenschaften und Kausalzusammenhänge zu gewinnen.
  3. "Expertenstufe": Abstraktionen über mehrere Fachgebiete und Fachgebiete hinweg werden möglich erschlossen und erlauben dadurch den Lerntransfer des neuen Wissens.

Neues Wissen? Kernschmelze ist seit Jahrzehnten ein Begriff – neues Wissen gibt es hier nicht. “Atomkraft-Experte”?

Passender wäre “Atomkraft-Rumflickler”. Mögen uns die nachfolgenden Generationen unsere ausgesprochene Dummheit verzeihen.

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