Dampfmaschine & Cloudcomputing

Glaubt man der Werbung, ist heute alles Cloud. Ein totaler Hype um einen Begriff, den keiner vorher kannte, entstand und wird gelebt.

Aber wat is eijentlisch Cloudcomputing? Da stelle ma uns mal janz dumm… (bitte Video ansehen)

Dat andere Loch kriejen wir nit später, dat kriejen wir jetzt. Im Internet geht der Dampf nicht vorne rein und hinten raus, sondern hin und zurück. Dampf ist  Datenverkehr zwischen zwei Computern.

Man gibt z.B. www.google.de ein (sendet eine Anfrage ins Internet), und erhält in dem Browserfenster die Seite von Google (erhält Inhalte aus dem Netz).

Wie hat sich dies entwickelt? Und was ist nun Cloudcomputing? Cloudcomputing ist untechnisch gesprochen etwas wie die dritte Generation des Webhostings. Eine kleine Geschichtsstunde zur Erläuterung:

Am Anfang war das Wasser… Und reichlich später gab es erste Computer. Und noch später erste Netzwerke aus zwei oder mehr Computern, welche Daten hin und her schicken konnten. Wie ein Spinnennetz etwa, und jeder Knotenpunkt ist ein Computer.

Es folgte das Webhosting der “ersten Generation”. Hierbei wurden Inhalte auf Computern zum Abruf gespeichert. Diese Computer nennt man heute Server. Die ersten Webseiten kamen auf. Laut Wikipedia war die erste Webseite überhaupt am 13. November 1990 online, und hier kann man sie sich noch heute anschauen: LINK.

Wie man sieht ist diese Webseite weit von den schön gestalteten Webseiten entfernt, die man heute kennt. Recht ödes Design, ein paar statische Links. Mehr nicht. Aber das reichte auch zu damaligen Zeiten auch.

Es kamen mehr Webseiten, immer mehr, und das Webhosting der ersten Generation wurde zum sog. “shared webhosting”, einem System, wo sich mehrere Anbieter einen Server teilten. So lagen z.B. die Seiten von Zeitungen, Universitäten, Banken, Unternehmen, etc, alle auf ein und demselben Server. Dieses Konzept hatte zwei extreme Nachteile.

Zurück zu der Dampfmaschine. In dem großen, runden, schwarzen Raum liegen die Inhalte der Webseitenbetreiber. Das zweite Loch, was die Inhalte auf unsere Computer schickt, hat bei dem “shared hosting” nur eine bestimmte Größe, wir nehmen an 100 %. Wenn nun die Zeitungskunden 80% in Gebrauch nehmen, die Bankkunden 40%, die Unternehmenskunden nochmal 40%, dann weiß man schon, dass es vor dem zweiten Loch recht eng wird. Der jeweilige Dampf kommt jeweils nur langsam raus. Das zweite Loch kann man demnach als Kombination aus Bandbreite (Anschlussgeschwindigkeit “ins” Internet) und Rechenkapazität der Server verstehen.

Beim Endkunden bedeutete eine Überbelastung: Extrem lahmer Aufbau der Webseiten. Unschön, denn der Kunde ist König und will nicht warten.

Das andere Problem: Sicherheitsbedenken. Bankdaten auf der gleichen Festplatte von Server A wie z.B. “rechtlich bedenkliche Inhalte”? Unschön.

Das Webhosting der zweiten Generation war geboren: Dedicated Hosting. Ein Server für ein Unternehmen. Exklusiv, ein Server pro Kunde. Der Anbieter musste sich überlegen, wie viele Kunden er bei Hochzeiten bedienen wollte, und entsprechend große Löcher in seinem dunklen schwarzen Raum buchen oder einkaufen.

Das war sicherer, hatte aber auch ein Problem. Denn das Internet und damit die Anzahl der Nutzer wuchs und wuchs. Und somit wurde auch der Bedarf der Kunden an Bandbreite beim Webseitenbetreiber größer und größer. Und so wurden immer größere Server gekauft und in Betrieb genommen. Das Problem ist durch Aufrüstung lösbar. Aber auch diese Vorgehensweise führte zu einem Problem. Denn die Bandbreite wurde nicht zu jeder Tages und Nachtzeit genutzt. Es gab Zeiten mit extremen Bedarf, und Zeiten mit eher geringem Bedarf.

Man kann Amazon heute als “Erfinder” des Cloud Computings im eigentlichen Sinne verstehen, auch wenn Amazon nicht das Rad neu erfunden hat, sondern nur ein bisschen weiterentwickelt.

Es ist wohl einleuchtend, dass Amazon mit seinem Webstore im Internet z.B. in der Weihnachtszeit extremen Bedarf an Servern hat, mehr als in der übrigen Zeit. Was tat Amazon? Die Server so ausbauen, um das Weihnachtsgeschäft abzudecken. Und die restlichen 11 Monate im Jahr? Wurden die Server z.B. mit nur 30% Ausnutzung gefahren. Kapazitäten lagen brach. Unschön. Denn die Server kosten Strom, müssen gekühlt werden, gewartet werden, usw usf.

Und um diese brach liegenden Ressourcen nutzen zu können entwickelte entwickelte man die dritte Generation von Webhosting, heute als Cloudcomputing in aller Munde. Oder auch Virtualisierung.

Jetzt stelle ma uns nochmal janz dumm, und stellen uns vor, man hätte ne jroße, dunkle, schwachze Raum. In diesem Raum hat man z.B. 10.000 Server. Und nun stellen wir uns vor, dass wir diese Server nicht im klassischen Sinne nutzen (z.B. zwei Server: Server A im Schrank 1 und Server B im Schrank 16), sondern das Rechenzentrum so programmieren, dass man virtuelle Server buchen kann. Hierzu sind zwei Vorbereitungen nötig:

1. Ein großes Rechenzentrum aufbauen, nach Möglichkeit mit mehreren Standorten (falls mal ein Flugzeug auf das eine Rechenzentrum fällt), und

2. In das Rechenzentrum eine virtuelle Umgebung reinprogrammieren, mit der man z.B. 75% der eigentlichen Leistung des Server A im Schrank nutzen kann, wobei aber hier, und das ist Cloudcomputing im eigentlichen Sinne, eben diese 75% Leistung mal auf dem einen Server, mal auf dem anderen Server geleistet werden, je nach dem, wo gerade Kapazitäten frei sind.

Dies führt zu einer enorm guten Ausnutzung der Kapazitäten. Der Name “Cloud” kommt nicht von ungefähr: Man stelle sich ein oder mehrere Rechenzentren als große Wolke vor. Man schickt in das Rechenzentrum seine Anfrage, die irgendwo darin verarbeitet wird, und erhält superschnell sein Ergebnis.

Und was genau nutzt der Anwender beim Cloudcomputing? Allgemein wird ein dreistufiger Aufbau definiert:


Quelle: Wikipedia

1. IaaS: Infrastructure as a Service: Virtualisierung von Servern (softwaretechnisch) in große Rechenzentren (Hardware)

2. PaaS : Platform as a Service: Buchung von virtualisierten Servern mit Betriebssystem (z.B. Windows Server, Linux Server, etc), mit Hilfe derer dann

3. SaaS : Software as a Service betrieben werden kann. Diese Software ist das, was wir heute täglich im Browser sehen: Komplexe Webseiten von Nachrichtenportalen, die im laufenden Betrieb aktualisiert werden können, Video-Portale, soziale Netzwerke, Webshops, Blogs, etc.

SaaS hat großes Potential. Denn hier kann man Software nutzen, ohne eine Lizenz kaufen zu müssen. Es gibt kostenlose Modelle und auch sog. “pay per use” Modelle. Man kann bereits jetzt soweit gehen vollständige Betriebssysteme wie z.B. Windows oder Mac oder Linux im Internet zu betreiben.

Anlass dieses ausführlichen Artikels? Die beschissene Werbung hier. Wenn Du bis hierhin gelesen hast verstehst Du die Motivation. Zwinkerndes Smiley

Advertisements

0 Responses to “Dampfmaschine & Cloudcomputing”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: