Thema: Kita-Lärm, ich glaub es hakt!

Ich wohne im Prenzlauer Berg, und um diesen Stadtteil rankt das Gerücht, dass Frauen hier besonders fruchtbar seien und es hier die größte Kinderdichte gäbe. Das kann man in jedem blöden Reiseführer über nachlesen.

Eine Gegenthese besagt, dass es nicht mehr Kinder sind, sondern lediglich die Mütter aktiver sind und mehr mit ihren Kindern unternehmen, und daher der Prenzlberg als rein optisch schon als Pregnant-Hill bezeichnet werden kann.

Wie auch immer. Darum geht es aber nicht, sondern um den Kita-Lärm, dem meine Wohnung ausgesetzt ist. Im letzten Herbst hat sich im Innenhof eine Kita angesiedelt, und bei schönem Wetter (wenn man gern die Fenster weit auf hat) sind die Kids draußen und geben Vollgas.

Mit meinem lustigen Android Handy und der App deciBel habe ich nachgemessen. Obwohl die Kids schon nicht mehr ganz in voller Besetzung spielten (geschätzt 20% der üblichen Truppenstärke) schafften sie doch locker Höchstwerte von 85-95 dB.

70 dB ist normaler Straßenverkehr, 85dB entspricht einem Rasenmäher, 100 dB einem Presslufthammer in 10 Metern Entfernung.

So klein und schon so laut.

Also schon ganz ordentlich, was die kleinen Racker da leisten. Respekt! Ich bin nicht gegen Kinder, und Kinder sollen spielen. Kitas sind eine wertvolle Einrichtung für das 21. Jahrhundert, und bestimmt tut es Kindern gut sehr früh Kontakt zu vielen anderen Kindern zu haben.

Und ein Glück wird das Bundesemmissionsschutzgesetz erweitert um folgenden Passus:

Geräuscheinwirkungen, die von Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen wie beispielsweise Ballspielplätzen durch Kinder hervorgerufen werden, sind im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung.

Jedoch:

Laut Hausordnung darf ich Musik nur auf Zimmerlautstärke hören. Das sind in etwa 40 dB.

Die Kita darf also mehr als ich. Na sei es drum.

Kinderlärm dürfe nicht wie Industrielärm behandelt werden. (Norbert Röttgen, CDU)

Nunja, in reinen Wohngebieten gibt es eher selten Industrie. Und genau hier setzt Frau Schröder an:

Kinder gehören in die Mitte unserer Gesellschaft und Kindertagesstätten nicht an die Randgebiete verdrängt, sondern da hin, wo die Familien wohnen. (Kristina Schröder, CDU)

Auch Zustimmung. Natürlich.

Aber ich frage mich, ob Kitas in Innenhöfen, die von 4 hohen Mauern (5-6 Stockwerke) umringt sind, ihren Spielplatz haben sollten. Hier kann der Lärm wunderbar hin und her hallen, so dass auch wirklich jeder Anwohner etwas von der Kita hat. Das ist vielleicht nicht ganz passend.

Einen derartigen Freifahrtschein für Kitas in ein Gesetz zu packen, welches der Wahrung der Ruhe gewidmet ist scheint mir etwas zu kurz angesetzt. Die Genehmigung für “Außenspielplätze” in das Ermessen der jeweils zuständigen Behörde zu setzen halte ich für durchaus sinnvoll, nach Ortsbegehung etc.

Umgekehrt wird nämlich ein Schuh draus. Schaut man beispielsweise in das Gesetz zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen (Grünanlagengesetz – GrünanlG) von Berlin, genauer gesagt in § 6 Absatz 1 Satz 3 Nr. 2, so liest man dort:

Insbesondere ist verboten:
1. Lärm zu verursachen, der andere Anlagenbesucher unzumutbar stört,

Schön. Im Park hat man ein Anrecht darauf, dass andere keinen Lärm verursachen. Wenn ich dort meinen Straßenlärm, Rasenmäher oder Presslufthammer auspacke, so kommt sofort das Bezirksamt und nimmt mir meinen Straßenlärm, meinen Rasenmäher oder Presslufthammer wieder ab. Denn es könnte andere ja unzumutbar stören.

In meinem Innenhof (Tatütata, TATÜÜÜÜTATAAAAAAAAAAAAAAAA, DIE FEUAAAWEEAAA IS DAAAAAAA) gilt dies indes nicht.

Kinder sind unsere Zukunft. Unsere Zukunft ist untragbar laut mancherorts.

Um abschließend unsere Familienministerin, Frau Kristina Schröder, CDU, erneut zu zitieren:

Das sind die Geräusche, die das Leben macht – und niemand von uns war als Kind anders.

Mit Verlaub, Frau Schröder, Sie sind ein (hier bitte Joschka Fischers Zitat hinzudenken).

Das stimmt nicht. Sie und ich, wir sind beide in etwa gleich alt. Und ich zumindest kann mich vage an meine Kindheit erinnern. Und auch daran, dass wir als Kinder, wenn wir laut waren wie die Wahnsinnigen, von den Erwachsenen zu etwas mehr Ruhe aufgerufen worden. In APO-Kindergärten mag das seit jeher anders gewesen sein, das kann ich nicht beurteilen.

Zum Abschluss eine weitere Guttenberg-Textpassage, jedoch mit Quellenangabe:

„Die Kinder sind in den vergangenen Jahren immer lauter geworden“, sagte Gabriele Schmidt, die seit 1992 die Schule leitet. Außerdem seien sie immer von Schallquellen umgeben, ständig laufe der Fernseher, das Radio oder der MP3-Player. Stille erlebe kaum noch jemand. Dabei wissen die Neun- und Zehnjährigen sehr genau, was Lärm ist. „Das sind Geräusche, die nerven“, sagte Julia, die keinen Baulärm verträgt. Viele der Kinder fühlen sich auch gestört, wenn jemand schreit. „Aber trotzdem ist es schwierig, den Kindern eine angemessene Redelautstärke beizubringen“, sagte Schmidt. (Quelle: LVZ-Online, 27.04.2010, 16:19 Uhr).

Fazit: Die Damen und Herren in den Kitas müssen zumindest ab und an mal die sich in Lautstärke gegenseitig steigernden Kids etwas zähmen.

Irgendeine Politikern der Linken sagte, ein japanisches Sprichwort besage, Kinder die schreien werden groß. Und gerade deswegen müsse man Kitas so nehmen wie sie sind.

Ein Scheiß! Der Verfasser dieses Beitrags ist kein Japaner und ein stiller Mensch mit einem Körpermaß jenseits der 1,90m.

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10 Responses to “Thema: Kita-Lärm, ich glaub es hakt!”


  1. 1 Pix 6. Juli 2011 um 11:48 am

    Hi, ich kann deinen frust verstehen, wir können auch seit ein paar Monaten nicht unseren Balkon mehr benutzen wegen des hier betriebenen Kita.
    Die nehmen keinerlei Rücksicht darauf, dass es hier auch andere Mieter gibt.Das spielen und grölen findet unmittelbar( 3 Meter) vor den Mieterfenstern statt,und wenn man um etwas rücksicht bittet bekommt man rotzfreche Antworten von den Betreibern.Da kann man sich gut vorstellen, was das für Menschen werden die da „erzögen“ werden.
    Wohnst du vielleicht zufällig in einem Haus das „PRIMA“ verwaltet wird?

  2. 2 Isch kriech die Kriese! 5. August 2011 um 9:22 pm

    Der Artikel würde besser wirken, wenn nicht gleich die Überschrift einen fiesen Rechtschreibfehler enthalten würde!
    Richtig muss es heißen: „es hakt“ – mit einer Hacke oder einem Hackebeil hat die Redensart nichts zu tun.

  3. 4 Lasse 21. September 2011 um 9:50 am

    auch ich bin geschädigter einer innenhof-kita. der hallende lärm ist unerträglich. dazu kommt, dass es eine total kuschelige waldorf-kita ist. das beduetet: holzspielzeug, hämmern, sägen, klopfen. die erzieherin bevorzugt es, die kinder singend anzusprechen. und als besonderes konzept gilt, einmal am tag alle kinder zum schreien in den innenhof zu schicken. kein witz – sondern traurige realität.

  4. 5 Marek 22. August 2012 um 10:00 am

    Bin ebenfalls „leicht“ genervter Leidensgenosse einer wahrscheinlich privaten Innenhof-Kita.
    Was ich nicht nachvollziehen kann:
    Die Kinder werden leider auch im Sommer dauernd drinnen „gehalten“. (Aber selbstverständlich sind die Fenster zum Innenhof geöffnet und das Heulen und Gezeter schallt durch den ganzen Hof. Wenn sie wenigstens mal singen würden!) Außerdem ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass der wirklich schöne Spielplatz an der Straßenecke vormittags und nachmittags die meiste Zeit menschenleer ist.
    Vielleicht stört ja dort der Baulärm aus der Nachbarschaft die Kids beim Spielen… ?
    Und nein, ich bin kein Kinderhasser.

    @ Lasse: Schrei doch einfach mal zurück!
    Eine Nachbarin hat genau dies gemacht: „RUHE, VERDAMMT NOCHMAL, KÖNNEN DIE BLAGEN ENDLICH MAL STILL SEIN!!!??“
    Asoziale Wortwahl, trotzdem Balsam für meine Seele. Denn es war umgehend still. 🙂

    Noch eine Anmerkung:

    Richtig ist:
    Ich glaub, es hackt!
    -> „Mit der umgangssprachlichen Redensart wird Entrüstung oder Ablehnung ausgedrückt: Ich glaub, es hackt – gib mir sofort die Tasche zurück! Hundert Euro will er für den uralten Transistor? Ich glaub, es hackt!“
    Duden – Das große Buch der Zitate und Redewendungen, Mannheim 2007 [CD]

  5. 6 Lärm 30. Dezember 2012 um 11:26 pm

    Schön, dass noch keiner einen ernsthaften Kommentar verfasst hat (oder sind die gelöscht worden?). Zunächst können Sie sich die „Messwerte“ der dB-App auch gleich selber aus den Fingern saugen.

    Richtig ist: nach §22 Abs. 1a BImSchG werden KiTas und Kinderspielplätze nicht mehr als „schädliche Umwelteinwirkung“ betrachtet.

    Das Problem: Jeder Spielplatz überschreitet schon bei geringer Kinderzahl ohne weiteres die Grenzwerte in reinen Wohngebieten. Damit war es bisher schwer bis unmöglich, KiTas und Spielplätze dort zu genehmigen, wo sie am sinnvollsten wären. Auch eine Sanierung wurde so häufig unmöglich gemacht, da bei größeren Baumaßnahmen der Bestandsschutz wegfällt und die aktuell geltenden Richtlinien Anwendung finden.

    Fakt ist aber auch: Auch für nicht genehmigungspflichtige Anlagen gilt der Minimierungsgrundsatz nach §22. Eine Störung der Nachbarschaft ist nach aktuellem Stand der Technik und organisatorisch soweit wie möglich zu reduzieren. Nur dürfen halt für Kindereinrichtungen keine absoluten Grenzwerte mehr herangezogen werden.

    Die Gesetzesänderung ist also kein Freifahrtschein für hemmungsloses Kindergeschrei. Sie dürfen sich jederzeit gern und mit Recht beschweren, wenn ein technischer (fehlender Schallschutz) oder organisatorischer (Schreistunde) Mangel vorliegt. Lediglich Zahlenangeben sind nun Schall und Rauch.

    • 7 ausderhauptstadt 29. Juli 2013 um 5:20 pm

      Bin mittlerweile umgezogen. Und habe jetzt einen Park vor der Tür. Mit Spielplatz, Sandkasten, Klettergerüst. Und Bäumen. Und nordrhein-westfälischen Kindern. Das Leben kann sehr schön sein. 😉

  6. 8 Sattler 29. Juli 2013 um 4:10 pm

    Danke für diesen Beitrag . Das ist genau das was ich erlebe.

    Ich bin Mutter von drei Kindern und wohne in einem Mietshaus in Berlin in dem ein Kinderladen mit eigenen Innenhof auch Mieter ist. In meiner Wohnung ist den ganzen Tag über kein Tv sehen kein telefonieren geschweige ein Mittagsschlaf möglich . Mein Mann arbeitet nachts ich die Woche tagsüber. Das ist aber egal denn man feiert auch Sonntags sein Sommerfest . Auf Nachfrage wird einem ins Gesicht gegrinst , man darf es eben . Schmerzgrenze der Toleranz erreicht, bei aller Kinderliebe, aber auch Erwachsene müssen sich mal entfalten. Ich freu mich schon wenn der heutige Nabel der Welt Toleranz üben muss und es denen keiner gezeigt hat wie es geht. Na Prost …… Ich lehne mich zurück und warte. Unterdessen genieße ich,dass meine Kinder das Wort Rücksichtnahme nicht nur buchstabieren können.
    Viele Grüße von einer völlig genervten Mutter, Mieterin , Arbeitnehmerin und langsam jegliche Toleranz verlierenden Bürgerin

    P s : ich würde Ihren Text gerne verwenden bei Facebook ???

  7. 10 Wilmersdorferin 22. August 2013 um 1:42 pm

    Danke schön, mir endlich mal aus der Seele gesprochen.

    Wir sind vor 3 Jahren plötzlich Ganztagsgrundschulanwohner geworden, vorher waren wir Halbtagsgrundschulanwohner. D.h. Ruhe auf dem Hof ab 13.30. Jetzt Ganztagslärm bis von 8.00 bis 16.00 Uhr, mind. 40 der Kinder haben immer frei und sind schreiend bolzend und prügelnd( nein, es ist keine „nette “ Grundschule obwohl wir in Wilmersdorf wohnen) auf dem Hof, keine 5 Meter neben unseren Fenstern. Es sind auch 300 Kinder mehr geworden. Sogar unsere eigenen 2 Grundschulkinder sind genervt, wenn sie tagsüber die Fenster zu haben müssen um Hausaufgaben machen zu können. Für mich von zu Hause aus zu arbeiten ist nur in einem einzigen Raum möglich, alles andere ist zu laut durch das Dauergeschrei.

    Allerdings hat sich in der Nachbarschaft, alles ältere Leute, eine einsatzfähige Truppe gebildet, die telefonisch und schriftlich den gesamten Ämterapparat bis zum Anschlag zurücknervt. Es hagelt Anzeigen, Beschwerden und Plakataktionen gegen den gesundheitsschädigenden Lärm der die Anwohner beeinträchtigt.
    Mal sehen wie weit wir kommen, immerhin gehen seit einiger Zeit die Kinder 1 Stunde später auf den Hof, das ist schon mal ein Etappensieg.


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